Was SMTP-TLS schützt – und was Sie dafür beobachten müssen
Bei SMTP mit STARTTLS beginnt die Unterhaltung unverschlüsselt. Der Server kann nach EHLO die Erweiterung STARTTLS anbieten. Nimmt der Client dieses Angebot an, folgt zunächst der TLS-Handshake. Erst nach dessen erfolgreichem Abschluss wird die weitere SMTP-Unterhaltung über TLS geführt. Das Angebot allein belegt noch keine verschlüsselte Verbindung. RFC 3207, Abschnitte 3–4
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| Beobachtung | Daraus lässt sich ableiten | Daraus lässt sich nicht ableiten |
|---|---|---|
Die vollständige EHLO-Antwort enthält STARTTLS. | Der angesprochene Dienst bietet dieses Upgrade an. | Dass der Handshake gelingt oder das Zertifikat vertrauenswürdig ist. |
| Ein TLS-Handshake wird abgeschlossen. | Diese Verbindung hat die angezeigten TLS-Parameter ausgehandelt. | Dass der Client Namen und Vertrauenskette richtig geprüft hat. |
| Die ausdrücklich konfigurierte Zertifikatsprüfung gelingt. | Die Verbindung erfüllt diese Prüfung mit diesem Namen, Vertrauensspeicher und Zeitpunkt. | Dass jeder andere Absender dieselbe Prüfung oder dieselbe Policy verwendet. |
| Ein Timeout, Verbindungsfehler oder eine unvollständige EHLO-Antwort tritt auf. | Die betreffende Prüfstufe wurde nicht abschließend beobachtet. | Dass STARTTLS fehlt oder eine Nachricht unverschlüsselt zugestellt wurde. |
Der E-Mail Security Check untersucht für SMTP-TLS aus seiner Prüfumgebung auf Port 25 höchstens drei unterschiedliche MX-Hosts der niedrigsten numerischen Präferenz. Das ist eine Stichprobe des eingehenden Transports; weitere gleichrangige Hosts und alle Backup-Präferenzstufen bleiben ungemessen. Die Stichprobe belegt weder sämtliche MX-Server und Netzwerkwege noch den ausgehenden Versand, Submission oder eine tatsächlich zugestellte Nachricht. Lesen Sie deshalb neben einem Befund immer seine Abdeckung und gegebenenfalls den Fehlerstatus.
TLS schützt jeweils die Verbindung, nicht automatisch die Nachricht über ihre gesamte Reise. Mailserver können Inhalte nach dem Empfang verarbeiten und speichern. Auch die Identität im sichtbaren From wird durch Transport-TLS nicht bestätigt. Dafür sind andere Verfahren und Prüfungen zuständig: SPF, DKIM und DMARC.
Warum ein STARTTLS-Angebot allein keinen Downgrade verhindert
Ein Angreifer auf einem ungeschützten Übertragungsweg kann versuchen, das STARTTLS-Angebot zu entfernen. Bei rein opportunistischem Versand hängt die Reaktion auf fehlendes oder gescheitertes TLS von der Senderkonfiguration ab; ein Rückfall auf Klartext kann möglich sein. Eine bereits wirksam angewandte MTA-STS-Policy im Modus enforce oder erfolgreich validierte, nutzbare DANE-Daten ändern die Entscheidung des unterstützenden Senders. Er darf die Anforderungen nicht einfach durch Klartext umgehen. Die genaue Wirkung hängt von Policy, Cache, DNSSEC und Validierung ab. MTA-STS und DNS-Sicherheit/DANE erläutern diese Bedingungen.
Bei einem gehosteten Maildienst betreibt der Anbieter häufig TLS-Software, Zertifikate und Erneuerung. Sie müssen trotzdem den richtigen Dienst, die angebotenen Einstellmöglichkeiten und die verfügbaren Nachweise kennen. Bei einem eigenen Server übernehmen Sie diese Aufgaben selbst oder übertragen sie ausdrücklich an einen Betreuer.
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| Aufgabe | Beim betreuten Dienst klären | Beim eigenen Server dokumentieren |
|---|---|---|
| Empfang und Versand | Welche Hosts und Richtungen betreibt der Anbieter? | Zuständige MTA-Instanzen, Listener und ausgehende Transportwege. |
| Protokolle und Algorithmen | Welche Vorgaben gelten, welche Einstellungen sind verfügbar? | Software- und TLS-Bibliotheksversion, wirksame Einstellungen. |
| Zertifikat und Erneuerung | Wer erneuert und lädt das Zertifikat? | Aussteller, Namen, Erneuerungsweg und Übernahme durch den Dienst. |
| Logs und Fehlersuche | Welche Ereignisse und Berichte sind zugänglich? | Logquelle, Zeitpunkt, Ziel und konkret beobachtete Prüfstufe. |
Port 25, 587 und 465 haben unterschiedliche Aufgaben
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| Port | Übliche Rolle | Beginn der Verbindung | Entscheidende Grenze |
|---|---|---|---|
25 | SMTP-Transport zwischen Mailservern | SMTP, gegebenenfalls Upgrade mit STARTTLS. | TLS-Anforderungen ergeben sich aus der jeweiligen Senderpolicy; dies ist kein Submission-Login. |
587 | Submission vom Mailclient oder einer Anwendung an den Versanddienst | SMTP mit STARTTLS. | Client und Dienst müssen TLS vor der eigentlichen Submission verlangen, wenn dieser Weg geschützt sein soll. |
465 | Submission mit implizitem TLS | Der TLS-Handshake beginnt vor der SMTP-Unterhaltung. | TLS ist zuerst zu verhandeln; der Client muss auch die Serveridentität prüfen. |
Korrekt umgesetzt können Submission auf Port 587 mit verpflichtendem STARTTLS und implizites TLS auf Port 465 vergleichbare Sicherheit bieten. Die Auswahl richtet sich nach den dokumentierten Einstellungen des Versanddienstes. Die Bezeichnung „SSL“ in einem Mailprogramm meint dabei häufig implizites TLS und ist keine Empfehlung, alte SSL-Protokolle zu aktivieren. RFC 8314, Abschnitt 3.3
Übertragen Sie die TLS-Pflicht eines Submission-Dienstes nicht pauschal auf den öffentlich referenzierten MX-Empfang auf Port 25. RFC 3207 untersagt dort, STARTTLS allgemein zur Voraussetzung für lokale Zustellung zu machen. Die senderseitige Durchsetzung einer Transportpolicy ist davon zu unterscheiden. RFC 3207, Abschnitt 4
Schematische Abläufe · keine gemessene Verbindung
Wann SMTP unter TLS beginnt
STARTTLS: erst SMTP, dann TLS
25 Mailserver-Transport · 587 Submission
- TCP-Verbindung und SMTP vor TLS
Server begrüßt, Client sendet
EHLO. - STARTTLS angeboten
Client sendet
STARTTLS; Server antwortet220. - TLS-Handshake
220zeigt erst die Bereitschaft, noch nicht den Erfolg. - Wenn der Handshake gelingt: SMTP unter TLS
Erneut
EHLOsenden; danachMAIL FROM,RCPT TOundDATAüber die TLS-Verbindung.
Implizites TLS: TLS von Anfang an
465 Submission
- TCP-Verbindung
- Unmittelbar TLS-Handshake
Die SMTP-Unterhaltung hat noch nicht begonnen.
- Wenn der Handshake gelingt: SMTP unter TLS
Fehlt das STARTTLS-Angebot oder scheitert der Handshake, entscheidet die angewandte Policy über das weitere Vorgehen. Das belegt keine automatische Klartextzustellung. TLS schützt diese Verbindung, nicht die gesamte Reise der Nachricht.
Das STARTTLS-Ablaufbeispiel als Protokoll lesen
Erklärendes Beispiel, kein aufgezeichneter Test und keine echte Nachricht.
1 Client -> Server: TCP connection to mx.example.com:25
2 Server -> Client: 220 mx.example.com ESMTP
3 Client -> Server: EHLO client.example.net
4 Server -> Client: 250-mx.example.com
250-STARTTLS
250 SIZE 52428800
5 Client -> Server: STARTTLS
6 Server -> Client: 220 Ready to start TLS
7 Client <-> Server: TLS handshake
8 Client -> Server: EHLO client.example.net [after successful TLS handshake]
9 Client -> Server: MAIL FROM / RCPT TO / DATA [over established TLS]Nach dem Upgrade wird der SMTP-Zustand zurückgesetzt. Der Client soll erneut EHLO senden und die jetzt angebotenen Erweiterungen verwenden. Die vorherige Klartext-Antwort ist keine verlässliche Beschreibung der Sitzung nach dem Upgrade. Auch die Antwort 220 auf STARTTLS ist erst die Bereitschaft zum Handshake, noch kein Nachweis seines Erfolgs.
TLS-Version und Cipher Suite getrennt beurteilen
TLS 1.3 ist die aktuelle Protokollgeneration; die aktuelle Spezifikation ist RFC 9846 vom Juli 2026. TLS 1.2 bleibt für bestehende Interoperabilitätsanforderungen relevant. Für Submission und Mailzugriff verlangen RFC 8314 und dessen Update RFC 8997 Unterstützung für TLS 1.2 oder neuer. Diese konkrete Anforderung betrifft nicht pauschal jeden SMTP-Empfang auf Port 25.
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| Version | Einordnung |
|---|---|
| TLS 1.3 | Für aktuelle Dienste anbieten; Bibliothek, Authentifizierung und Gegenstellen berücksichtigen. |
| TLS 1.2 | Bei Bedarf für bestehende Gegenstellen mit geeigneten Algorithmen betreiben. |
| TLS 1.0 / 1.1 | Nach RFC 8996 nicht mehr aushandeln. |
| SSLv2 / SSLv3 | Veraltete Protokolle; für die hier beschriebene Einrichtung deaktiviert lassen. |
Bei TLS 1.3 beschreibt die Cipher Suite das AEAD-Verfahren und die Hashfunktion. Schlüsselaustausch und Signaturalgorithmus werden separat ausgehandelt. Beispiele für standardisierte TLS-1.3-Suites sind TLS_AES_128_GCM_SHA256, TLS_AES_256_GCM_SHA384 und TLS_CHACHA20_POLY1305_SHA256. Diese Beispiele sind keine vollständige Konfiguration und keine BSI-Empfehlungsliste. RFC 9846
Für TLS 1.2 sind ECDHE mit AEAD-Verfahren eine geeignete Ausgangsbasis für die konkrete Systemkonfiguration. Beachten Sie den aktuellen Normstand: RFC 10015 vom Juli 2026 verbietet unter anderem endlichen DHE- und RSA-Schlüsselaustausch in TLS 1.2. Das ist kein Verbot von RSA zur Authentifizierung in einer ECDHE-RSA-Suite und betrifft nicht DHE in TLS 1.3. Ein alter Cipher-String sollte daher nicht allein wegen einer früheren Empfehlung unverändert übernommen werden. RFC 10015, Abschnitte 2–4
Die BSI TR-02102-2 enthält ein eigenes, datiertes Empfehlungsprofil. Ihre Fassung 2026-01 nennt beispielsweise andere TLS-1.3-Empfehlungen als die obigen Protokollbeispiele. Falls Sie dieses Profil benötigen, prüfen Sie auch Gruppen, Signaturen, Schlüssellängen und Anwendungszeitraum. Eine einzelne erfolgreiche Verbindung zeigt weder sämtliche angebotenen Suites noch die vollständige Erfüllung eines solchen Profils.
Zertifikate: Welche Identität wird wie geprüft?
Bei einer PKIX-basierten Prüfung müssen Name und Vertrauenskette zur Verbindung passen. Für MTA-STS verlangt der sendende MTA unter anderem eine gültige PKIX-Kette zu einem für ihn vertrauenswürdigen Root und den passenden MX-Namen in der subjectAltName-Erweiterung. Ein angezeigter Ausstellername oder Subject-CN allein belegt das nicht. RFC 8461, Abschnitt 4.2
Prüfregeln · kein beobachtetes Ergebnis
Zwei getrennte Vertrauensmodelle
PKIX
Der Client prüft:
- Gültigkeitszeitraum: Das Zertifikat muss zum Prüfzeitpunkt gültig sein.
- Servername: Die verlangte Dienstidentität muss zu den zulässigen Zertifikatsnamen passen. Für MTA-STS ist dies der MX-Hostname im SAN.
- Vertrauen: Eine zulässige Kette muss zu einem lokal akzeptierten Vertrauensanker führen.
- Ausgelieferte Zertifikate: Der Server liefert das Blattzertifikat und die benötigten Zwischenzertifikate. Die richtige Menge hängt von der Kette ab, nicht von einer Mindestzahl.
DANE-EE · Certificate Usage 3
DANE ist ein anderes Vertrauensmodell. Bei DANE-EE mit Certificate Usage 3 authentifiziert ein passend validierter DNSSEC-/TLSA-Verbund das Zertifikat beziehungsweise den öffentlichen Schlüssel. Die üblichen PKIX-Prüfungen von CA-Kette, Zertifikatsname und Ablaufdatum sind dabei nicht erforderlich; der Ablaufzeitraum wird in diesem Verfahren ausdrücklich nicht zur Validierung verwendet. Das kann auch mit einem selbst signierten Zertifikat funktionieren. Diese Ausnahme gilt nicht pauschal für alle TLSA-Verwendungsarten oder für MTA-STS. RFC 7672, Abschnitt 3.1.1
Eine nutzbare, über DNSSEC authentifizierte TLSA-Bindung muss zum präsentierten Zertifikat beziehungsweise Schlüssel passen. Diese Ausnahme nicht auf DANE-TA mit Usage 2 übertragen.
Ein Wildcard-Name wie *.example.com deckt beim üblichen DNS-Namensabgleich genau eine linke Namensebene ab: mx.example.com, aber weder example.com noch mx.eu.example.com. Maßgeblich sind die Identitätsregeln des jeweiligen Protokolls; aktuelle allgemeine TLS-Regeln verwenden SAN-Identitäten statt eines CN-Fallbacks. RFC 9525, Abschnitt 6
Ein selbst signiertes oder abgelaufenes Zertifikat bedeutet deshalb nicht „gleichwertig mit Klartext“. Entscheidend sind ausgehandelte Verschlüsselung und tatsächlich angewandte Authentifizierung. Für die Interoperabilität müssen Sie allerdings sämtliche vorgesehenen Gegenstellen und deren Vertrauensmodelle berücksichtigen.
Mit OpenSSL gezielt prüfen
Das folgende Beispiel ist für die dokumentierten Optionen von OpenSSL 3.5 formuliert. Ersetzen Sie den Beispielhost durch einen eigenen oder autorisierten Dienst. Es wurde hier nicht ausgeführt.
openssl s_client -connect mx.example.com:25 -starttls smtp \
-servername mx.example.com -verify_hostname mx.example.com \
-verify_return_error -brief-servername sendet SNI als Hinweis zur Zertifikatsauswahl. -verify_hostname fordert den angegebenen Namensabgleich an. -verify_return_error sorgt dafür, dass Verifikationsfehler den Prüfversuch abbrechen; ohne diese Option kann das Diagnosewerkzeug trotz solcher Fehler fortfahren. Dokumentieren Sie außerdem den verwendeten Vertrauensspeicher. Diese Prüfung bildet weder MTA-STS samt Policyabruf noch eine DNSSEC-/DANE-Validierung vollständig nach. Kontrollieren Sie für MTA-STS den SAN ausdrücklich, statt aus einem OpenSSL-Namensmatch jede Protokollanforderung abzuleiten. OpenSSL: s_client
Submission hat häufig einen anderen Hostnamen. Verwenden Sie dafür den vom Versanddienst angegebenen Namen:
openssl s_client -connect smtp.example.com:465 \
-servername smtp.example.com -verify_hostname smtp.example.com \
-verify_return_error -brief
openssl s_client -connect smtp.example.com:587 -starttls smtp \
-servername smtp.example.com -verify_hostname smtp.example.com \
-verify_return_error -briefUnterdrücken Sie Fehlerausgaben nicht. Ein Timeout oder eine vom lokalen Netz blockierte Verbindung ist kein Nachweis fehlender TLS-Unterstützung. Die Beispiele führen keine Anmeldung und keinen Nachrichtenversand vor.
Zertifikate automatisiert erneuern und im Dienst übernehmen
Let's Encrypt stellt öffentlich vertrauenswürdige Zertifikate über ACME bereit. ACME ist ein geeigneter Automatisierungsweg, aber keine allgemeine SMTP- oder gesetzliche Pflicht. Wählen Sie ein Verfahren, das der Betreiber dauerhaft betreuen kann.
Ermitteln Sie zuerst die benötigten Namen. Ein Zertifikat für example.com deckt den MX mx1.example.com nicht allein dadurch ab, dass dieser die E-Mails der Domain empfängt. Umgekehrt kann die Domain selbst der tatsächliche Dienstname sein. Entscheidend ist die verwendete Referenzidentität.
Das folgende Certbot-Beispiel setzt einen selbst verwalteten Dienst, eine passende Certbot-Installation und administrativen Zugriff voraus. Für die Standalone-HTTP-01-Prüfung muss Port 80 lokal verfügbar und öffentlich für den angeforderten Namen erreichbar sein. Ist das nicht möglich, wählen Sie eine geeignete dokumentierte Challenge-Methode; ein DNS-Plugin benötigt eine eigene Einrichtung.
sudo certbot certonly --standalone --key-type ecdsa \
--cert-name mx1.example.com -d mx1.example.com \
--email admin@example.com --agree-tosDie Beispielnamen und Kontaktadresse sind zu ersetzen. Prüfen Sie die ECDSA-Unterstützung der vorgesehenen Gegenstellen; ein RSA-Zertifikat kann eine andere Kompatibilitätsentscheidung sein. Zertifikatsschlüssel und TLS-Schlüsselaustausch sind unterschiedliche Dinge.
Nach der Ausstellung verbinden Sie den Dienst mit den richtigen Dateien: cert.pem enthält das Blattzertifikat, chain.pem die Zwischenzertifikate, fullchain.pem beide und privkey.pem den privaten Schlüssel. Der Schlüssel muss geschützt bleiben und für den zuständigen Dienst lesbar sein. Die benötigte Dateiform und der Ladevorgang hängen vom MTA ab.
Für eine bereits passend konfigurierte Postfix-Installation unter systemd kann ein erfolgreicher Deploy-Hook den Reload auslösen. Ein mögliches Skript im Certbot-Verzeichnis /etc/letsencrypt/renewal-hooks/deploy/ lautet:
#!/bin/sh
set -eu
systemctl reload postfixInstallieren Sie es mit passenden Eigentums- und Ausführungsrechten; verwenden Sie es nur, wenn dieser Dienstname und Reloadweg zu Ihrem System passen. Ein neuer Zertifikatsstand auf der Festplatte ist noch kein Beleg, dass der laufende Dienst ihn ausliefert.
sudo certbot renew --dry-runEin Dry-run prüft den Erneuerungsweg, führt Deploy-Hooks jedoch standardmäßig nicht aus. --run-deploy-hooks kann sie ausdrücklich einbeziehen; dabei verwendet Certbot nach erfolgreichem Dry-run das aktive Zertifikat, nicht das Testzertifikat. Prüfen Sie vor dieser Option die Auswirkungen des Hooks. Auch ein Exitstatus 0 von certbot renew beweist nicht allein eine neue Ausstellung oder einen gelungenen Reload: Es kann schlicht noch kein Zertifikat zur Erneuerung anstehen. Certbot: Verwendung und Hooks
Betriebsablauf mit eigenen Prüfpunkten
Erneuert, geladen, tatsächlich ausgeliefert
Rechtzeitig eine Ausstellung anfordern. Erst ein belegtes Ergebnis trägt den nächsten Schritt; jeder Prüfpunkt kann gesondert fehlschlagen.
- Wurde ein neues Zertifikat ausgestellt?
Bei Nein: Ausstellung und Erneuerungsbedarf untersuchen. Ein erfolgreicher Befehlsaufruf allein genügt nicht.
- Sind Zertifikat und Schlüssel richtig bereitgestellt?
Dateiform, Zuordnung und Zugriffsrechte nach den Anforderungen des Dienstes prüfen. Bei Nein: die Bereitstellung korrigieren.
- Hat der Dienst den neuen Stand geladen?
Vorgesehenen Ladevorgang prüfen. Ein Reloadfehler bleibt ein eigener Fehler, auch wenn die Ausstellung gelungen ist.
- Liefert der Endpunkt tatsächlich den neuen Stand aus?
Am vorgesehenen Endpunkt gesondert nachprüfen. Die neue Datei auf der Festplatte ist dafür noch kein Nachweis.
Ein Dry-run führt Deploy-Hooks ohne ausdrückliche Option nicht aus. Bei DANE müssen TLSA-Veröffentlichung, Schlüsselwechsel und Cachezeiten zusammenpassen. Der Ablauf ist keine feste 90-Tage-Schleife.
Verlassen Sie sich nicht auf einen fest programmierten „alle 90 Tage“-Termin. Am 13. September 2026 beschreibt Let's Encrypt für classic 90 Tage, für tlsserver 45 Tage und für shortlived 160 Stunden. Die angekündigte Verkürzung von classic sieht 64 Tage ab 10. Februar 2027 und 45 Tage ab 16. Februar 2028 vor. Profile, ACME-Client und Erneuerungssteuerung müssen zusammenpassen; maßgeblich bleibt die tatsächlich ausgestellte Gültigkeit. Aktuelle Profile, angekündigter Zeitplan
CA/B-Laufzeiten: Ausstellungsdatum und Geltungsbereich beachten
Die CA/B-Baseline-Requirements betreffen öffentlich vertrauenswürdige TLS-Serverzertifikate in ihrem Anwendungsbereich. Sie sind keine universelle Laufzeitregel für jede private PKI oder jedes DANE-Zertifikat. Nach der aktuellen Fassung 2.3.0 gelten folgende Höchstwerte für neu ausgestellte Zertifikate:
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| Ausstellungszeitpunkt | Maximale Zertifikatslaufzeit | Maximale Wiederverwendung der Domain-/IP-Validierung |
|---|---|---|
| Vor 15. März 2026 | 398 Tage | 398 Tage |
| Ab 15. März 2026 | 200 Tage | 200 Tage |
| Ab 15. März 2027 | 100 Tage | 100 Tage |
| Ab 15. März 2029 | 47 Tage | 10 Tage |
Die Wiederverwendung einer Validierung und die Lebensdauer eines Zertifikats sind verschiedene Fristen. Die Stufen kürzen ältere Zertifikate nicht rückwirkend. Eine CA darf kürzere Zertifikate ausstellen, wie die Let's-Encrypt-Profile zeigen. Automatisierung wird dadurch betriebspraktisch wichtiger; daraus entsteht keine vorgeschriebene Bindung an Certbot oder ACME. CA/B Forum, Abschnitte 4.2.1 und 6.3.2
Postfix und Exim: dieselbe Aufgabe, unterschiedliche Stellschrauben
Die Tabelle ordnet dokumentierte Konfigurationsrollen zu. Sie ist keine getestete Konfiguration. Prüfen Sie vor einer Änderung die eingesetzte Version, die TLS-Bibliothek und die Richtung: Bei Postfix bezeichnet smtpd_ typischerweise den empfangenden SMTP-Server, smtp_ den ausgehenden SMTP-Client.
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| Aufgabe | Postfix | Exim |
|---|---|---|
| STARTTLS beim Empfang anbieten | smtpd_tls_security_level = may als opportunistische Serverrolle. | tls_advertise_hosts; standardmäßig *, dazu passende TLS-Konfiguration. |
| Ausgehende TLS-Anforderung | smtp_tls_security_level, gegebenenfalls zielbezogene Policy. Werte umfassen none, may, encrypt, dane, dane-only, fingerprint, verify, secure; sie sind nicht bedeutungsgleich. | hosts_try_tls und hosts_require_tls im SMTP-Transport; Prüfbedingungen separat beachten. |
| Zertifikate bereitstellen | Ab 3.4 bevorzugt smtpd_tls_chain_files; diese Dateien enthalten Schlüssel, zugehöriges Zertifikat und benötigte Kette in der dokumentierten Reihenfolge. Die ältere Variante nutzt smtpd_tls_cert_file. | tls_certificate, mit dem für Exim beziehungsweise die TLS-Bibliothek benötigten Zertifikatsinhalt. |
| Privaten Schlüssel anschließen | Bei der älteren Dateivariante smtpd_tls_key_file; bei smtpd_tls_chain_files Teil der beschriebenen Datei. | tls_privatekey; Zugriff auf den zuständigen Dienst begrenzen. |
| Cipher-Auswahl | smtpd_tls_ciphers für opportunistisches TLS, smtpd_tls_mandatory_ciphers für verpflichtendes TLS; tls_medium_cipherlist betrifft nicht TLS 1.3. | tls_require_ciphers hängt von der Bibliothek ab; bei OpenSSL steuert es die Auswahl vor TLS 1.3, bei GnuTLS gilt dessen Prioritätssyntax. |
| MTA-STS beim Versand | Ein externer Resolver kann über smtp_tls_policy_maps angebunden werden; Zusammenspiel mit DANE gesondert prüfen. | Die aktuelle Exim-Dokumentation beschreibt keinen eingebauten MTA-STS-Client. Eine eigene empfangsseitige Policy zu veröffentlichen ist davon unabhängig. |
| DANE beim Versand | smtp_tls_security_level = dane beziehungsweise dane-only und smtp_dns_support_level = dnssec, mit funktionierender DNSSEC-Validierung. | DANE-Unterstützung im Build (SUPPORT_DANE=yes) und hosts_try_dane beziehungsweise hosts_require_dane, mit passendem Resolver. |
| TLS-RPT-Ereignisse und Versand | Unterstützung seit 3.10; für Sammlung und Berichtsversand werden zusätzliche Komponenten wie libtlsrpt, Collector und Reportgenerator benötigt. | Die Dokumentation bietet unter anderem das Ereignis dane:fail; dies ist noch keine vollständige Sammlung und Versendung von TLS-RPT-Berichten. |
| Diagnoseprotokollierung | Beispielsweise smtpd_tls_loglevel = 1 und smtp_tls_loglevel = 1, passend zu Server und Client. | TLS-bezogene log_selector-Einträge und gegebenenfalls Event-Verarbeitung; Umfang zur Version passend auswählen. |
Ein encrypt-Wert bedeutet nicht automatisch vollständige Serverauthentifizierung. Auch ein MTA-STS-Resolver darf eine funktionierende DANE-Entscheidung nicht unbemerkt ersetzen. Primärbelege: Postfix TLS, Postfix TLS-RPT, Exim TLS.
TLS-RPT: Fehlerberichte sind eine andere Beobachtung
Ein aktiver Prüfversuch und ein TLS-RPT-Bericht beantworten verschiedene Fragen. Der DNS-/SMTP-Check von Wolf wertet keine TLS-RPT-Berichte aus. TLS-RPT sammelt Angaben teilnehmender sendender Systeme über deren Zustellversuche im Berichtszeitraum. Ein vorhandener DNS-Eintrag allein beweist weder, dass diese Systeme berichten, noch dass ein Bericht empfangen oder ausgewertet wurde. Ein leerer Posteingang ist kein Nachweis fehlerfreier Zustellung.
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| Resultattyp | Wofür er im Bericht steht |
|---|---|
starttls-not-supported | Der berichtende Sender hat die benötigte STARTTLS-Unterstützung nicht vorgefunden. |
certificate-host-mismatch | Der Name passte nicht zu den Anforderungen der Zertifikatsprüfung. |
certificate-expired | Das Zertifikat war zum Zeitpunkt der betreffenden Prüfung abgelaufen. |
certificate-not-trusted | Das Zertifikat konnte nicht nach dem verwendeten Vertrauensmodell akzeptiert werden. |
validation-failure | Allgemeiner Validierungsfehler, der nicht in die spezifischeren Typen passt; ergänzenden Grund auswerten. |
Die ersten vier Typen stehen in RFC 8460 Abschnitt 4.3.1; validation-failure ist der allgemeine Typ aus Abschnitt 4.3.3. Die Tabelle ist eine Erklärung der Berichtssprache und keine Messmatrix eines realen Systems. Ein solcher Fehler belegt für sich allein keinen Angriff.
Daneben stehen Policyfehler: etwa tlsa-invalid, dnssec-invalid und dane-required für DANE sowie sts-policy-fetch-error, sts-policy-invalid und sts-webpki-invalid für MTA-STS. Besonders wichtig: sts-webpki-invalid betrifft die PKIX-Authentifizierung beim HTTPS-Abruf der MTA-STS-Policy, nicht pauschal die Zertifikatskette des SMTP-Servers. RFC 8460, Abschnitt 4.3
REQUIRETLS und TLS-Required: No nicht verwechseln
Die SMTP-Erweiterung REQUIRETLS gibt eine Anforderung für die Weiterleitung einer Nachricht mit. Das Nachrichtenfeld TLS-Required: No bittet dagegen darum, empfangsseitige TLS-Policies bei dieser Nachricht zu übergehen; vorhandenes TLS soll weiterhin versucht werden. Sind beide vorhanden, hat die REQUIRETLS-Anforderung Vorrang. Diese Mechanismen hängen von den beteiligten Systemen und deren Unterstützung ab; ein MX-Handshake prüft sie nicht für die ganze Route. RFC 8689
Postfix unterstützt TLS-Required: No seit 3.10 und die SMTP-Erweiterung seit 3.11. Das sind verschiedene Versionsanschlüsse. Leiten Sie daraus keine Zusage für einen beliebigen gehosteten Versanddienst ab. Postfix REQUIRETLS
Technische Nachweise richtig begrenzen
Dokumentieren Sie Host, Port, Richtung, Zeitpunkt, Prüfumgebung, verwendetes Vertrauensmodell und beobachtetes Ergebnis. Bewahren Sie Fehler und offene Prüfstufen als solche auf. Logs und TLS-RPT können eine Untersuchung unterstützen, beweisen aber allein weder einen bestimmten Angriff noch die vollständige Transportstrecke einer Nachricht. Für die Auswertung konkreter Nachrichten hilft der Abschnitt zu Headerbefunden; für die Abgrenzung zu Absenderangriffen die Übersicht der Bedrohungen.
Rechtliche und vertragliche Anforderungen haben einen eigenen Geltungsbereich. Beispielsweise verlangt § 30 BSIG von den erfassten Einrichtungen angemessene, risikobezogene Maßnahmen; ein einzelnes Protokoll ist dadurch nicht für jede Organisation vorgeschrieben. Die BSI TR-03108 beschreibt ein konkretes Anforderungsprofil für E-Mail-Diensteanbieter mit weiteren organisatorischen und technischen Anforderungen. Ein TLS-Scan, ein Zertifikat oder ein Cipher-String ist kein vollständiger Konformitätsnachweis. § 30 BSIG, BSI TR-03108, Version 2.0
Auch Artikel 32 DSGVO nennt Verschlüsselung im Rahmen angemessener, risikobezogener Maßnahmen; er macht aus einem SMTP-TLS-Befund keine pauschale Datenschutzfreigabe. Die Einordnung dieser deutschen beziehungsweise europäischen Quellen ist keine Freigabe für andere Märkte oder ein Nachweis, dass eine Meldepflicht ausgelöst wurde. DSGVO, Artikel 32
Häufige Fragen
Ist ein STARTTLS-Angebot bereits eine verschlüsselte E-Mail-Zustellung?
Nein. Zunächst muss der TLS-Handshake gelingen; die Authentifizierung ist zusätzlich zu beurteilen. Eine Prüfsitzung ohne Nachrichtenversand beweist keine Zustellung. Timeout oder unvollständige Antwort bedeuten eine offene Messung, nicht automatisch fehlendes TLS oder Klartext.
Welche TLS-Versionen sollte ein Mailserver anbieten?
TLS 1.3 ist für aktuelle Dienste sinnvoll; TLS 1.2 kann für die Interoperabilität mit bestehenden Gegenstellen erforderlich sein. TLS 1.0 und 1.1 dürfen nach RFC 8996 nicht mehr ausgehandelt werden. Die konkrete Mindestanforderung aus RFC 8314/8997 gilt für Submission und Mailzugriff. Ein einzelner Handshake erfasst nicht die gesamte Versionsauswahl eines Servers.
Gilt die neue Grenze von 200 Tagen auch für mein altes Zertifikat?
Die CA/B-Stufe gilt für ab 15. März 2026 neu ausgestellte öffentlich vertrauenswürdige TLS-Serverzertifikate in ihrem Anwendungsbereich. Sie verkürzt zuvor ausgestellte Zertifikate nicht rückwirkend. Ab 15. März 2027 sind maximal 100, ab 15. März 2029 maximal 47 Tage vorgesehen. Ihr Aussteller kann bereits kürzere Laufzeiten verwenden.
Kann SMTP-TLS mit einem selbst signierten Zertifikat funktionieren?
Verschlüsselung ist damit möglich. Ob die Serverauthentifizierung gelingt, hängt vom Vertrauensmodell ab. MTA-STS verlangt eine passende PKIX-Prüfung; ein beliebiges selbst signiertes Zertifikat erfüllt sie nicht. DANE-EE(3) kann ein selbst signiertes Zertifikat über eine validierte TLSA-Bindung authentifizieren. Beide Fälle dürfen nicht gleichgesetzt werden.
Wie verhindere ich, dass eine Erneuerung den Mailbetrieb unterbricht?
Automatisieren Sie die Ausstellung rechtzeitig, prüfen Sie Fehler und schließen Sie den vorgesehenen Ladevorgang des MTA an. Danach ist der ausgelieferte Zertifikatsstand zu prüfen. Ein starrer 90-Tage-Termin oder ein erfolgreicher Certbot-Aufruf allein genügt als Nachweis nicht. Bei DANE muss ein Schlüsselwechsel zur TLSA-Bindung und deren Cachezeiten passen.
Was passiert bei einem abgelaufenen Zertifikat?
Das hängt von der angewandten Policy ab. Ein Sender, der MTA-STS im Modus enforce wirksam anwendet, darf einen so ungültigen MX nicht für die Zustellung verwenden; spätere Versuche können folgen. Bei DANE-EE(3) ist das Zertifikatsablaufdatum kein Validierungskriterium. Opportunistische Sender ohne entsprechende PKIX-Prüfung können sich wiederum anders verhalten. Ein Fehler ist kein Beweis, dass eine Nachricht stattdessen im Klartext übertragen wurde.
Was prüft der Wolf-Check an dieser Stelle?
Aus seiner Prüfumgebung auf Port 25 höchstens drei unterschiedliche MX-Hosts der niedrigsten numerischen Präferenz, mit den im Ergebnis bezeichneten Prüfstufen. Weitere gleichrangige Hosts und alle Backup-Präferenzstufen bleiben ungemessen. Er prüft damit weder alle MX und Netzwerkwege noch ausgehenden Versand, Submission, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung oder eine echte Nachricht. Nicht abgeschlossene Stufen bleiben offen.
Quellen und weiterführende Anleitungen
Die oben verlinkten Primärquellen wurden am 13. September 2026 für die bezeichneten Aussagen geprüft. Ergänzende Grundlagen: SMTP, RFC 5321, Submission, RFC 6409, Submission-Identität, RFC 7817, TLS 1.0/1.1, RFC 8996, Update zu RFC 8314, RFC 8997 und BSI TR-02102-2, Fassung 2026-01.
Vorheriges Kapitel: MTA-STS und TLS-RPT. Nächstes Kapitel: BIMI.
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Im kostenlosen E-Mail Security Check können Sie eine eigene beziehungsweise autorisierte Domain ohne Registrierung untersuchen. Der SMTP-TLS-Teil ist die beschriebene Stichprobe an höchstens drei unterschiedlichen MX-Hosts der niedrigsten numerischen Präferenz auf Port 25. Ein ausreichend klarer Gratisbefund kann für Ihren nächsten Schritt genügen; für die gesamte Mailstrecke sind zusätzliche, passend abgegrenzte Nachweise erforderlich.